Sprachzentrum

Logo

Ich wunderte mich und

14. November 2008

dann wußte ich es, daß etwas mit meinem feedreader nicht stimmte, als ich nach 2 Stunden keinen neuen Artikel vom Kraftfuttermischwerk hatte.

Sleevefaces

13. November 2008

Sleevefaces en mass, jedweder musikalischer Vorliebe:

U2


directface

Achtung Schuhcontent

11. November 2008

In der Praxis müssen alle Kinder die Schuhe schon im Wartezimmer ausziehen, mit Ausnahme der Käsefüssler. Bei denen ist mir der Dreck im Zimmer egal. Soviel kann man nicht lüften, daß der Geruch binnen Kurzem verschwindet

- Einschub einer wirklich wichtigen Frage: Wieso haben eigentlich fast nur Jungs Käsemauken? In dem Alter kann das noch nicht hormonell sein. -

Jedenfalls stehen vor dem Behandlungszimmer der Kollegin 2 Paar Kinderschuhe, obwohl sich derzeit nur ein Kind zur Therapie in der Praxis aufhält.
Ich bin gespannt, wer gleich klingeln wird und mit welcher Erklärung die [Groß]Eltern die Schuhe holen werden.

Herr W

10. November 2008

Hier wohnt Herr W, mein neuer Hausbesuchspatient.
Er hatte vor einigen Monaten einen Schlaganfall, der auch sein Wernicke-Areal stärker betroffen hat.

Patientenhaus

cc by me

Herr W redet also viel, ungebremst, skandierend, bildet ständig neue Worte die es nicht gibt [z.B. "Waschnugel" oder "Pingel" ], ist damit schwer zu verstehen, bermerkt dies auch teilweise und ist dadurch ungemein frustriert.

Herr W ist 85 Jahre alt, verwitwet und hat sich, weil er nicht studieren durfte, erst eine Lehre als Installateur gemacht, später seinen Meister und noch später einen kleines mittelständisches Unternehmen besessen. Sein Interesse an Geschichte hat er sich über die Jahrzehnte erhalten. Mehrere aufgeschlagene Geschichtsbücher liegen im Wohnzimmer.
Später bemerke ich, daß er kaum einen einfachen Subjekt-Prädikat-Objekt-Satz lesen kann. Er nimmt die Bücher zur Hand und erkennt die Bilder, kann Situationen historisch einordnen, aber verliest und verspricht sich bei der Erklärung.

Der Pflegedienst hat veranlasst, dass der Teppichboden aus der kompletten Wohnung entfernt wurde, "aus Hygienegründen". Der komplette Boden der Wohnung ist mit den grau-blauen Plastikfliesen der 70er Jahre bedeckt.

Ein Teil der Möbel ist auch aus der Wohnung entfernt worden, damit Herr W. sich mit seinem Rollator "besser in der Wohnung bewegen" kann. Herr W. läuft in der Wohnung ohne Rollator umher, langsam und etwas wackelig, was mit der Hirnschädigung zu tun hat. Seinen Rollator benutze er nur für draußen. "Draußen" ist der Weg zum Einkaufs- und Ärztezentrum; 200m und für ihn einen Tag Vorabplanung entfernt.

Im Esszimmer, in dem wir uns zur Therapie aufhalten, sitzt er mit dem Rücken zur Fensterfront und erzählt mir auf Nachfragen, daß er das schon so viele Jahre gesehen habe. Er schaue da fast nicht mehr hinaus.
Die Sicht heute ist klar und man kann von der Wohnung im Norden Berlins aus auch über 20Km weit entfernte markante Bauten erkennen.

Patientenblick

cc by me

Die weißen Wände im Zimmer sind mit einem Plakat und ein paar gerahmten Ansichtskarten geschmückt. Das Plakat ist schätzungsweise von der großen Reise mitgebracht worden, die er noch vor Rentenbeginn gemacht haben wird, denn von den Farben Torontos’ Stadtansicht ist nur noch der Himmel als hellblau zu erkennen. Alles andere erinnert an erste Farbfilmphotos, die inzwischen rotstichig geworden sind; hier halt nur in blau. Die Postkarten kann man nur schwerlich erkennen, es sind welche, wo neun kleine Photos auf eine Karte gequetscht werden, um die Vielfalt des Urlaubsortes jedem sofort mitteilen zu k?nnen.

Als wir über seine Arbeit sprechen und über viele Werkzeug, die er noch besitzt, weiß ich was gemeint ist, wenn er von "Schraubstoff" und "Finkelbad" spricht. "Ein Pfund, der so rund ist, wo man ein Fuh drauflegt" können wir noch Herausarbeiten, aber "Pitten" und "Stiffheffte" sind auch mit Zeichnen, Bewegung und wozu man es typischerweise braucht Fragen, nicht herauszufinden. Dabei war der eng umrissene Bereich aber schon klar.

Die Hilflosigkeit, als er mir etwas Wichtiges sagen möchte, aber "Eine Säge zum Messen, was man mehlt, aufsteht, aufmalt" sagt, die läßt nicht nur ihn leiden, sondern quält auch mich. Es ist etwas, was ihm am Herzen liegt, das ist zu spüren.

Täglich kommt der Pflegedienst und , weil er Ersparnisse hat[te], für ein paar Stunden eine Betreuerin, die für Ihn putzt, kocht, Besorgungen erledigt. Damit ist Herr W. privilegiert.

Seine Angehörigen und Sozialkontakte sind schon tot oder verstehen ihn nicht mehr.

_____

Ich habe große Angst in Zukunft einmal Herr W zu werden.

_____


Proudly powered by WordPress. Theme heavily überarbeitet von micha zocholl.

Creative Commons License visitor stats Danke blogscout.de republica 08 visiting since 2007