Sprachzentrum

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Der rollt sich einen ab

27. Juli 2010

Zwei richtig schwere Sprachverständnisfälle haben mir gestern zu schaffen gemacht.
Für einen benötige ich bitte Hilfe!

Die quälend lange uninterpretierbare Äußerung von Herrn D. klärte sich noch auf, als er mir endlich vormachen konnte, was er mir mit dem Satz: “Der rollt sich einen ab.” meinte.

Den 8jährigen M. habe ich ums Verrecken nicht verstehen können. Er erzählte mir von seinem Geburtstag und von den vielen Geschenken, die er bekommen hat; das “Schponschohendi” und das “Auto mit Fernienen“. Alles Dinge, die schon die Praktikantinnen verstehen.

Was aber hat der bloß bekommen, als er mir sagte: “Die mag meine Glasbedienerin, so Schale.“?

Ich habe keine Ahnung. Er kann es nicht mitbringen, weil er Angst hat, daß es ihm jemand wegnehmen könnte und jetzt in den Sommerferien bringt ihn auch kein Elternteil, das ich fragen könnte.

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Fußballfans

31. Mai 2010

Nee, ich bin nicht so ein Fußballfan”
sagte mir eben die Ehefrau meines Patienten Herrn M.

Ich habe beide begrüßt, neueste Nachrichten ausgetauscht und vom Rücktritt des Bundespräsidenten berichtet.
Der Aphasiker Herr M. versucht seiner Frau noch etwas dazu zu sagen, aber im Moment stehen er und ich beide jetzt sprachlos da.

Hunde, die bellen

30. Juli 2009

Auf dem Platz vor dem Bäcker sitzt eine Seniorin, trinkt seelenruhig einen Kaffee und hat eine kleine Töle an ihr Stuhl angebunden, die unentwegt kläfft.

Der Mutter, die mit ihrem 3jährigen Kind vorbeigeht, welches sich dem Hund mit Interesse der Entdeckung zuwendet, sagt sie durch das anhaltende Bellen: “Der will nicht spielen.”

Das Paradies

30. Juni 2009

Das Paradies kann sich an den unscheinbarsten Flecken dieses Planeten offenbaren.
Man muß nur die Augen offen halten, könnte meine Oma gesagt haben.

Hier versteckt es sich gleich hinter der Karl-Marx-Allee, in Berlin.

Paradies

click photo to enlarge; cc by me

Ich bin grad noch sehr mitgenommen, von dem was mir ein Patient, von dem ich dachte, ich hätte alle seine Geschichten schon vielfach gehört, erzählt hat.
Herr C. ist dementiell erkrankt, körperlich der fitteste über 80jährige, den ich kenne und ein pointierter Erzähler. Etliche seiner Geschichten, bringen mich auch zum widerholten Male zum Lächeln oder Verstummen. Die Geschichten, wie er Radfahren gelernt hat, seine subjektive Sichtweise der “schönen Zeit” in der Flieger HJ, die Erzählungen, wie er später in der Rentenstelle fast allen Leuten zu Renten verholfen hat und und und.
Eben hat er er mir von einem Besuch erzählt, der ihm seit vielen Jahren erstmals wieder einfällt.
Davon, wie er seinen angeheirateten Onkel in Oranienburg besucht hat; so um 1940, im KZ.


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